Die Ergebnisse der Hamburger Multicenter Studie

In einer multizentrischen randomisiert-kontrollierten Evaluationsstudie (ausführlich bei Baldus et al., 2016; Bröning et al., 2017, 2014; Stolle et al., 2011, 2010) wurde die Effektivität des „Familien stärken“-Programms in Deutschland untersucht. Hierfür wurde das Programm in sozial-benachteiligten Bezirken in den vier Ballungsräumen Hamburg, München, Hannover und Schwerin durchgeführt und mit der Wirksamkeit eines alternativen Eltern-Kurzprogramms verglichen. Die teilnehmenden Familien wurden über Schulen rekrutiert und mittels eines Losverfahrens dem „Familien stärken“-Programm oder der Kurzversion zugeteilt.

Beide Gruppen wurden jeweils vor und direkt nach dem Programm sowie 6 und 18 Monate nach Programmende von Wissenschaftlern zu verschiedenen Themen interviewt. In diesem Rahmen wurden Informationen über das Verhalten der Kinder und Jugendlichen in der Schule, das allgemeine Wohlbefinden, das Zusammenleben in der Familie und den Beziehungen der Familienmitglieder untereinander erfasst. Die Kinder wurden außerdem zu ihrem Tabak-, Alkohol- oder Cannabiskonsum befragt. Konkret wurde das Einstiegsalter für Alkohol- und Drogenkonsum, die Menge des Alkohol- und Drogenkonsums in den letzten 30 Tagen sowie die psychische Gesundheit und Selbstwirksamkeitserwartungen der Kinder und Jugendlichen gemessen.

Die Studienergebnisse zeigen zusammendfassend, dass ...

  • die Programmteilnahme signifikant den Einstieg in den Zigarettenkonsum reduziert,
  • Familien, deren Kinder bereits Verhaltensauffälligkeiten zeigen, besonders von der Programmteilnahme profitieren,
  • das Programm von den teilnehmenden Familien und den durchführenden Fachkräften in Deutschland akzeptiert und innerhalb der Strukturen des psychosozialen Hilfesystems (v.a. der Jugendhilfe-Settings) als gut durchführbar eingeschätzt wird,
  • die Ergebnisse dabei insgesamt hinter den berichteten Effekten aus den U.S.-amerikanischen Vorläuferstudien zurückblieben, daher Daher haben wir das „Familien stärken“-Programm inhaltlich weiterentwickelt und eine neue, um Achtsamkeitsaspekte erweiterte Version entwickelt. Achtsamkeit hat sich in der Prävention und Intervention von Suchterkrankungen sowie in der Stärkung der Familiengesundheit als vielversprechender Ansatz erwiesen. Beide Programme starteten im Sommer 2019 in Hamburg.